1. Naturbedingte Probleme

Bereits um 1620, zu einer Zeit also, in der die militärischen Auseinandersetzungen des Dreißigjährigen Kriegs noch weit weg von unserer Heimat stattfanden, begannen sich auch im Raum Deggendorf deutliche Engpässe in der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln abzuzeichnen. Sie standen jedoch in keinem Zusammenhang mit dem Krieg, sondern resultierten in erster Linie aus ernsten Problemen in der Landwirtschaft. Ab 1580 wurden ziemlich abrupt die Winter strenger und die Sommer kühler und vor allem regenreicher. Die Jahresdurchschnittstemperatur sank vermutlich zwar nur um ca. 1°C ab, die Folgen für Landwirtschaft und Gartenbau waren jedoch fatal. So verkürzte sich die Vegetationsperiode um rund einen Monat. Eine sog. Kleine Eiszeit beeinträchtigte ab dem Ende des 16. Jahrhunderts die Produktionsgrundlagen im ländlichen Bereich ganz erheblich. In den Alpen schoben sich die Gletscher allmählich bis in die höheren Tallagen vor, der mitteleuropäische Laubmischwald wich im Laufe der Jahrzehnte dem widerstandsfähigeren Fichtenwald und der damals weitverbreitete Weinbau kam zum Erliegen. Früh einfallende Herbstfröste verdarben die Gemüsekulturen (vor allem Weißkraut und Rüben), feuchte Sommer förderten einen Massenbefall des Getreides durch verschiedene Pilzschädlinge und Spätfröste im Frühjahr beeinträchtigen ganz erheblich die Feldbestellung. Heu für die Winterfütterung des Viehs wurde zur Mangelware. Was davon eingebracht werden konnte, war meist verschimmelt und als Futter eigentlich untauglich. Wochenlange Regenfälle verwandelten ebene Felder in Schlammwüsten und beraubten im hügeligen Gelände die Ackerflächen ihrer fruchtbaren Krume. Die Auswirkungen auf die meist unbefestigten Straßen waren verheerend. Auf einen vereinfachten Nenner gebracht: Die katastrophalen Begleiterscheinungen des Dreißigjährigen Kriegs (Hungersnöte, Seuchen) gehen zu einem hohen Prozentsatz zu Lasten dieser Klimaveränderung, über deren Ursachen lange gerätselt wurde. Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts beobachtete jedoch Galileo Galilei, dass die Sonne kaum mehr bzw. gar keine Flecken mehr aufwies. Einen direkten oder indirekten Zusammenhang mit den klimatischen Problemen auf der Erde konnte damals noch niemand herstellen. Erst in jüngster Zeit vermochte man den Nachweis über die Auswirkungen dieses als Maunder-Minimum bezeichneten Rückgangs der Sonnenaktivität auf das globale Klima zu erbringen 1. Vor diesem Hintergrund der naturbedingten Unbilden soll hier nun die Zeit nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und bis zum beginnenden 18. Jahrhundert etwas eingehender beleuchtet werden.

 

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Die Geschichte von Schloss Offenberg

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