13. Schloss Offenberg in alten Bildern

Alte Darstellungen von Schloss Offenberg sind selten. Zu ihnen zählt u.a. ein Kupferstich von Wening aus der Zeit um 1720. Das war immerhin nur wenige Jahre nach den Sanierungs- und Umbaumaßnahmen unter Anton Sebastian zu Montfort. Die Abbildung hat jedoch hinsichtlich der Realität nur eine mehr als begrenzte Aussagekraft. Eine am rechten unteren Bildrand eingefügte Windrose weist auf einen Anblick von Norden her hin. Damit sind weder die bewaldeten Hügel im Hintergrund noch die Fassadengestaltung der Nordfront und die Lage des Dachreiters auf der neuen Schlosskapelle in Einklang zu bringen. Da der Blick nach Süden geht, müsste sich im Hintergrund die Donauebene ausbreiten. Auf der linken Seite der Fassade sollten außerdem die beiden Nordfenster der Kapelle zu sehen sein. Kurzum, diese Abbildung ist zu stark vereinfacht, als dass sie ein zutreffendes Bild von der Wirklichkeit vermitteln könnte. Lediglich der Steilabfall des Schlossberges auf der Westseite zum großen Weiher hin entspricht der Realität.

Abb. 10: Schloss Offenberg - Stich von Wening um 1720 (aus: Chronik der Gemeinde Offenberg, 1984, S. 40).

Wening wird nachgesagt, dass die Qualität der von ihm geschaffenen Veduten von der Höhe der Zuwendungen seiner Auftraggeber abhing. Immerhin war "man" es auf Offenberg der eigenen Reputation schuldig, seinen Besitz von dem doch weithin bekannten Künstler im Bild festhalten zu lassen. Um 1720 war die gräfliche Kasse durch die Bau- und Ausstattungsmaßnahmen der jüngsten Vergangenheit arg strapaziert gewesen. Man kann daher nicht ausschließen, dass dieser Umstand letztenendes in der total missglückten Abbildung seinen Niederschlag fand.

Eine jüngere Abbildung aus der Zeit um 1850 ist hingegen als sehr wirklichkeitsgetreue Darstellung von Schloss und Dorf Offenberg zu werten. Hier sind nicht nur das große Wirtschaftsgebäude im Osten der Anlage, sondern auch die beiden tiefen Halsgräben (Bildmitte) deutlich zu erkennen. Auffallend ist das weitgehende Fehlen des heute dichten Baumbewuchses am Südhang des Schlossberges. Dies sollte als indirekter Hinweis auf die ehemalige strategische Bedeutung von Offenberg gewertet werden. Sträucher und Bäume hätten nämlich einem Feind willkommene Deckung gegeben. Daher wurden Burgenhügel grundsätzlich kahl geschlagen.

Abb. 11: Schloss Offenberg um 1850 in Aichingers "Kloster Metten und seine Umgebung" (aus: Chronik der Gemeinde Offenberg, 1984, S. 42).

Diese Darstellung deckt sich weitgehend mit Unterlagen aus dem Jahre 1911, als die gräfliche Familie Bray-Steinburg einen Umbau des Schlosses beabsichtigte. Die beiden Regensburger Architekten Roth und Spiegel nahmen dabei dankenswerterweise auch eine komplette Aufnahme des Altbestandes vor. Ein Vergleich der Südfront von Schloss Offenberg aus der Zeit um 1850 mit der des Jahres 1911 ergibt keine wesentlichen Unterschiede. Ein Detail fällt an der Darstellung von 1850 allerdings schon auf: Die pyramidenstumpfförmigen Ecktürme. Man sollte dies als künstlerische Freiheit im vertretbaren Rahmen werten, da kaum anzunehmen ist, dass zwischen 1850 und 1911 hier größere bauliche Veränderungen vorgenommen worden sind.

Abb. 12: Südfassade von Schloss Offenberg in der Aufnahme des Altbestandes aus dem Jahre 1911 durch die Regensburger Architekten Roth und Spiegel (Umzeichnung nach Unterlagen des Staatsarchivs Landshut durch L. Keller).

1911 sollte im wesentlichen eine Neugestaltung der Südfassade, der beiden südlichen Ecktürme, eine Erhöhung des zweiten Obergeschosses sowie die Vergrößerung der Zahl der Fensterachsen von acht auf neun durch eine geringfügige Verlängerung des Haupttrakts nach Osten hin vorgenommen werden.

Abb. 13: Entwurf von 1911 der Regensburger Architekten Roth und Spiegel für den Umbau von Schloss Offenberg (Umzeichnung nach Unterlagen des Staatsarchivs Landshut durch L. Keller).

Der Plan in dieser Form kam jedoch wegen der Kritik des "Bayer. Vereins für Volkskunst u. Volkskunde e.V." in München an den vorgelegten Bauplänen nicht in allen gewünschten Einzelheiten zur Ausführung. Es wurden einige Änderungen gewünscht. In einer Stellungnahme vom März 1911 wurde nämlich u.a. das allzu luftige Rokokogitterwerk der Freitreppe bemängelt und dafür ein massives Geländer ... im Renaissancecharakter vorgeschlagen. Weiters heißt es: Auch der Turmanbau könnte geschlossener gehalten u. mit dem Hauptgebäude durch eine geschlossen wirkende Brücke verbunden werden. Diese Vorschläge waren zwar nicht bindend, wurden aber dennoch berücksichtigt. Von den barocken Zwiebelhelmen über den beiden Südtürmen sah man aus nicht näher bekannten Gründen auch ohne Kritik "von oben" ab. Ein Vergleich mit dem aktuellen Stand belegt jedoch die neue doppelläufige Freitreppe, die vergrößerte Anzahl der Fensterachsen und die deutliche Erhöhung des zweiten Obergeschosses.

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Die Geschichte von Schloss Offenberg

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