9. Erneute Khriegsläuffe

1712

Es deutet vieles darauf hin, dass der Spanische Erbfolgekrieg, von dem 1703/04 auch unser Gebiet heimgesucht wurde, zunächst für einige Jahre geplante bzw. noch ausstehende Baumaßnahmen auf Schloss Offenberg unterbrochen hatte. Das Fehlen entsprechender Unterlagen ist zwar kein stichhaltiges Kriterium hierfür, wohl aber der Kontext einer Quittung über vertraglich vereinbarte Maurerarbeiten in Höhe von 50 Gulden vom 4. Dezember des Jahres 1712. Die Höhe dieser Summe lässt auf noch recht umfangreiche Arbeiten schließen. Die Zahl der hierfür erforderlichen Arbeitstage muss größenordnungsmäßig bei rund 160 gelegen haben.

 

Crafft diss würdet bescheint, das der edl

und vesste Herr Geörg Prelinger, deß

Innern Rhats und Statt Cammerer alhier,

alß hochgräflich Montforthischer Verwalter

der Hofmarchen Egg und Offenberg etc:

mir Endtsbenanten, umb daß jch

im neuen Gepau deß Schloss Offenberg

in dem obern oder dritten Garn (Gaden) alle

Pöden ob den Zimmern, Khämmern, Gang,

Schlaf: und Vorhauß mit Rhordöcken

gemacht, verförttigt und gepuzt habe,

meinen Verdienst dem getroffnen

Geding gemeß mit funffzig Gulden

richtig bezalt hat. Actum Deggendorf

den 4. Xbr: anno 1712.

Testis

(Siegel) Geörg Wilhelm Schneckh Ulrich Stöckhel, Burger

Ghts: und Stattprocurator Maurermaister alda ./.

alda, attestiert auf sein

Stöckhels Ersuechen wie obstehet mpria

 

Es war demnach mehr als ein Jahrzehnt nach der Aufstockung des Haupttrakts verstrichen, ehe man sich an die Fertigstellung der neuen Räume im dritten Gaden (2. Obergeschoss) machen konnte. Auch wenn die sich unmittelbaren Kriegsfolgen von 1703/04 in der näheren Umgebung in relativ engen Grenzen hielten, so blieben die folgenden Jahre dennoch eine sehr unruhige und unsichere Zeit. Zudem flackerten im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts immer wieder kleinere Epidemien auf, die sich auf die wirtschaftliche Situation recht nachträglich auswirkten.

1714

In diesem Jahr wurde die um das Schloss führende Zwingermauer mit Dachziegeln (und nicht mehr mit Schindeln) eingedeckt, sowie der Verputz auf Innen- und Außenseite ausgebessert. Etwas mehr als 27 Gulden (71 Tagesschichten) wurden hierfür ausgelegt (8. Juli 1714).

1715

Auf die nahezu permanenten Schwierigkeiten mit beiden Schlossbrücken wurde bereits hingewiesen. 1715 nahmen diese Probleme wieder einmal mehr akute Formen an. Zimmermeister Sebastian Nöstl aus dem nahen Loham sollte eine einigermaßen dauerhafte Lösung herbeiführen. Zehn große Eichenstämme bildeten die Grundlage für eine vertrauenswürdige Überfahrt zum Schloss. Diesmal verzichtet man auf die fichtenen Ungeheuer, die man noch bis zur letzten Jahrhundertwende als "Ensbäume" bezeichnete. Trotz ihres gewaltigen Querschnitts (ca. 45 x 30 cm) verfaulten sie innerhalb kurzer Zeit und bedeuteten eine ständige Gefahr für Leib und Leben von Mensch und Tier. Kleinere Arbeiten am Brunnen, an den Dachrinnen und am Abort (schon wieder) brachten dem Lohamer Zimmermeister immerhin etwas mehr als 34 Gulden ein.

Wie die beiden Brücken stellten die auch hölzernen Dachrinnen ein leidiges Dauerthema dar. Da half auch kein roter Schutzanstrich auf Leinölbasis. Eine der letzten Rechnungen von Maurermeister Stöckhel liefert einen indirekten Hinweis darauf, wie man bei der Abnahme der alten und der Montage der neuen Rinnen zu werke ging. Eines ist sicher, man setzte hierzu weder Leitern noch Gerüste ein. Man arbeitete "von innen heraus", d.h. es wurde jedesmal von den Maurern die Daschen Tachung außgehengt und hinterher wieder neu eingedeckt. Umständlich, aber einigermaßen sicher. Die neuen Rinnen wurden außen mit Seill und Khloben nach oben gezogen, nachdem man die morschen und löchrigen alten Holzrinnen kurzerhand "der Schwerkraft überlassen hatte". Diese Annahme wird durch das Fehlen jedweder einschlägiger Angaben über die Demontage belegt. Vom Aufziechen ist immer wieder die Rede, aber nie von einem Herunderlassen. Schließlich nahm der "Freiflug" weniger Zeit in Anspruch als das mühsame und zeitraubende Abseilen. Zeit war auch damals Geld. 1715 erhielt Ulrich Stöckhel für die o.e. Arbeit den wahrlich bescheidenen Betrag von 1 f: 37 kr: 2 d:.

Die letzte Abrechnung, sie stammt von einem Wolfsteiner Zimmermeister namens Nöstl vom 29. September 1715 enthält einen Eintrag, der nachdenklich stimmt. Der namentlich nie genannte Amtmann auf Schloss Offenberg wurde als Hilfsarbeiter eingesetzt. Lediglich 20 Kreuzer waren dann letztenendes sein Verdienst, obwohl er vil Bemüehung gehebt ..... Anton Sebastian zu Montfort war wohl jetzt so knapp bei Kasse, dass er sogar seinen Amtmann für Handlangerdienste zur Verfügung stellte.

1721

Mit diesem Jahr enden dann abrupt die archivalischen Unterlagen über Schloss Offenberg für mehrere Jahrzehnte. In diesem Jahr wurde ein Kreißzimmer (Gebier Kämmerl) im Schloss eingerichtet.

 

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Die Geschichte von Schloss Offenberg

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